Die Wucht der Gefühle

Tagtäglich fragen Kunden nach Büchern für Kinder, die das Thema Tod oder Trennung thematisieren.
Meistens läuft das ganze sehr sachlich ab. Doch heute bekam ich die geballte Ladung Gefühle zu spüren.

Die Kundin suchte ein Bilderbuch, in dem es um die Trennung der Eltern geht.
Ganz normal zeigte ich ihr eine Auswahl an Büchern, die ich persönlich sehr gut finde. Ich wollte ihr diese gerade in die Hände geben, als sie total die Fassung verlohr und hemmungslos anfing zu weinen. Ihre Freundin, die gerade auf die Kinder aufpasste, eilte schnellstens herbei und erlöste mich aus der Situation. Ich war wie gelähmt.
Wir sind es gewöhnt, dass Menschen mit uns ihre Lebensgeschichten und aktuellen Leiden teilen.
Selten jedoch erlebt man eine solche Wucht der Gefühle gleich so haut nah mit.

Peinlich ergriffen räumte ich das Feld und überliess die Kundin ihren Gefühlen.
Im Nachhinein ärgert es mich, dass ich nicht zumindest eine Geste des Mitgefühls zeigen konnte.
Die Hand auf die Schulter legen zum Beispiel.
Aber es ist auch verdammt schwer, in einer solchen Situation richtig zu reagieren. Vielleicht hätte die Kundin dies als sehr unangebracht empfunden. Schwer zu sagen…

Schon mal sowas erlebt?

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Buchhändleranekdoten

Eine Antwort zu “Die Wucht der Gefühle

  1. Viel zu oft… als angehende Sozialarbeiterin bekommt man Lebensgeschichten wahrscheinlich öfter zu hören als als Buchhändlerin.
    Die angemessene Reaktion zur richtigen Zeit ist immer wieder schwer.

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